Besichtigung des Bangkok Hafens

 

 

 

Am Treffpunkt ‘Au bon pain’ im TESCO, Rama IV, wurde unsere Gruppe von Herrn Winzenborg, Managing Director, sowie von Frau Russel, General Manager,  und Herrn Schotte, General Manager, der Firma Leschaco (Thailand) Ltd. recht herzlich begruesst. Frau Russel gab einen kurzen Abriss ueber unsere geplante Besichtigung des Bangkok Hafens und der relevanten  Behoerden. Herr Winzenborg verabschiedete sich, wuenschte uns viel Spass und versicherte uns, dass er uns auf alle Faelle beim Lunch wieder treffen wuerde. Dann fuhren zwei komfortable Minibusse vor und wir verteilten uns auf den Sitzen, begleitet von je einem Repraesentanten der Firma Leschaco.

 

Zuerst ging die Fahrt zum Hauptzollamt. Wir konnten hinter die Tresen gehen und den Ablauf der Zollabwicklung von der behoerdlichen Seite aus beobachten. Dort erfuhren wir, dass ein ‚one stop service’ angestrebt wird. Das heisst, die Abwicklung der Zollformalitaeten sollte an einem Tag ermoeglicht werden. Bei durchschnittlich 1.000 Antraegen pro Tag ist dies sicher ein ehrgeiziges Vorhaben, das 2.700 Mill. Baht Wertdurchlauf = Umschlag pro Tag gewaehrleistet. Als das Thema Steuern zur Sprache kam, mussten wir allerdings unsere Ohren spitzen. Etwas leiser und weniger praezise war hier die Antwort. Unter anderem konnten wir vernehmen, dass nur vielleicht auf ‚Luxus’-Autos hoehere Zoelle  entfallen wuerden, aber ansonsten – nein – sicher nicht auf andere Gueter wie z.B. Alkohol. Etwas Stirnrunzeln und Verwunderung bei uns, denn die Preise an den Weinregalen lassen jedenfalls doch so manch andere Schluesse zu. Die ankommenden Container werden angeblich 90:10 behandelt, d.h. nur 10% werden entweder gescannt oder manuell untersucht. Nachdem wir noch einen Blick in den Kassenraum werfen konnten, ging unsere Tour weiter.

 

Der Eskorte eines Motorradpolizisten folgten wir fast unauffaellig in Richtung Port Authority of Thailand (PAT). Dieser Rahmen machte die kurze Fahrt duch Bangkoks Verkehr wirklich speziell.  In einem sehr gut klimatisierten Konferenzraum warteten bereits einige Mitarbeiter der PAT, die uns freundlich begruessten und uns auch sogleich Plaetze anwiesen. Mit Getraenken und Snacks versorgt, hoerten wir interessiert einer Powerpointpraesentation zu. Khun Thawatchai, Chief Transit Officer Section II, erklaerte uns die Aufgabe der Hafenbehoerde sehr anschaulich. Sein Kollege, Khun Tanai, Business Development und Marketing Division, ergaenzte diese Ausfuehrungen und erklaerte uns anhand von Grafiken einiges Wissenswerte sowohl ueber den Hafen in Bangkok, als auch andere Hafen Thailands. Wobei er den neuen Hafen in Ranong immer wieder besonders hervorhob, da dieser wohl einen enormen geografischen und strategischen Vorteil bietet. Wie zum Beispiel die Umgehung der Strasse von Malaka, wo heutzutage noch immer Piraterie herrscht. Die PAT ist ein oeffentliches Staatsunternehmen unter der Aufsicht des Transportministeriums und 1951 gegruendet worden. Die Hauptaufgaben der PAT sind es, Dienstleistungen und Einrichtungen fuer Schiffe und deren Frachten zu bieten. Darueberhinaus muss die PAT dafuer Sorge tragen, dass die Fahrrinne immer ausgebaggert wird, die Hafenbecken und Ankerplaetze gewartet werden, die Warenbewegung reibungslos auflaueft und die Zusammenarbeit mit den betreffenden Agenturen funtioniert. Ein Aussage der PAT ist ‚Enhancing your global reach’.

 

Der Hafen liegt an der linken Seite des Chao Phraya Flusses zwischen km + 26.5 und km + 28.5

Klongtoey Bezirk. Er wird durch eine Fahrrinne erreicht, die 18 km lang ist und im geraden Flussbereich 150 Meter und in der Flussbiegung 250 Meter breit ist. Die Fahrrinne wird auf einer Tiefe von 8,5 m gehalten, wogegen die Tiefe des Flusses zwischen 8,5 und 11 m ist. Die Hoheitsgewaesser unter der Aufsicht der PAT beginnen an der Memorial Bridge, die bei km 48 flussabwaerts liegt und enden bei km –18 im Golf von Thailand. Das heisst die Strecke ist 66 km lang und km 0 befindet sich bei Phra Chullachomklao Fort. Fuer Schiffe, die sich vom Beginn der Fahrrinne bis etwa zur Rama VI Bruecke bewegen, muessen einen Lotsen an Bord haben. 3 Tage bevor ein Schiff die Lotsenstation passieren will, muss es die Hafenoffiziere per telex oder fax benachrichtigen und folgende Daten melden

-          Name und Nationalitaet des Schiffes

-          Letzter angelaufener Hafen

-          Geschaetzte Zeit, wann das Schiff die Lotsenstation erreicht

-          Nachschub in Fuss oder Metern

-          Anzahl der Container oder allgemeinen Fracht

-          Anzahl von Gefahrenguetern

-          Wird Schwerlastabwicklung benoetigt

-          Wird Frischwasser benoetigt

-          Anzahl von Passagieren (die von Bord gehen oder nur im Transit sind)

-          Zeitpunkt den Anker zu setzen – nochmalige Zeitbestimmung vor Anlaufen der Fahrrinne

 

     

 

Es gibt zwei Container Terminals, die in Terminal 1 und 2 aufgeteilt sind und 18 Ankerplaetze und sogar einen Anlegeplatz fuer ein Passagierschiff bieten. Um ueberhaupt anlegen zu koennen, muessen eine Bankgarantie hinterlegt werden und eine Einfahrerlaubnis eingeholt werden. Im Finanzjahr 2004 (1.10.03 – 31.9.04) haben 2.959 Schiffe angelegt und es wurden 15.305 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen (davon 7.947 Import und 7.357 Export). Die PAT machte in diesem Zeitraum einen Reingewinn von 1.838.84 Millionen Baht. Der Hafen befindet sich auf einer Flaeche von 941 acres. Das eigentliche Zollgebiet ist eingezaeunt und 344 acres gross. Zur besseren Umrechnung – 1 acre = 48,40 Quadratyard oder 0,40467 Hektar. 3.500 Menschen arbeiten dort.

 

Khun Thawatchai begleitete unsere Gruppe dann auf der Fahrt zum Container Terminal 2. Dort konnten wir in der 4. Etage das Kontrollzentrum besichtigen.  Mitarbeiter der Behoerden, wie auch im Kontrollzentrum zu sehen, tragen alle Uniform. Alle anderen Beschaeftigten muessen identische T-Shirts tragen, damit man schneller erkennen kann, wer auf dem Terrain zugangsberechtigt ist. Auch wir hatten einen VIP-Ausweis erhalten. Darueberhinaus war eine Voraussetzung zur Teilnahme an der Besichtigung, dass Namen und Nationalitaet aller Teilnehmer ca. 4 Wochen vor dem eigentlichen Termin bei der PAT eingereicht wurden. Hier oben wurde uns erklaert, dass ca. 6 Stunden bevor ein Schiff den Hafen anlaeuft, das Kontrollzentrum eine Meldung bekommen muss. Auch muss eine Einfuhr-Waren-Bestimmung und eine Liste der einzufuehrenden Container abgegeben werden. Mit Hilfe von Monitoren koennen die Mitarbeiter dann feststellen, z.B. an welchem der Ankerplaetze des Terminals 2 das Schiff anlegen kann. Die Anlegeplaetze verteilen sich auf einer Strecke von 1,5 Kilometern. In der Regel werden pro Monat 160 Frachtschiffe abgefertigt. Dabei werden 1,5 Millionen Cu = Container Units umgeschlagen. Gearbeitet wird 24 Stunden und 7 Tage pro Woche. Nur ueber Neujahr ist der Hafen fuer 2 Tage geschlossen. Umweit des Gebaeudes befindet sich auch die Roentgenanlage, die mit den aktuellen US Regierungsbestimmungen zur Sicherheitsinitiative (CSI) uebereinstimmen. Diese Station erleichtert die Wareninspektion und hilft geschmuggelte Gueter aufzufinden.

 

Um die Mittagszeit,  als wir auf dem Hafengelaende waren, wurden gerade 2 Schiffe entladen. Jeweils 2 riesige Rollkraene hievten die 40-Fuss-Container von Deck auf bereits wartende Schleppfahrzeuge. Diese fuhren dann den jeweiligen Container zum einem bereits vorab ausgewiesenen Platz. Die Taetigkeit war ziemlich simultan. Es wirkte wie ein Perpetuum mobile – Container greifen, hochliften, ablassen, plazieren, Schlepper faehrt ab, Kran hochfahren, neuer Schlepper faehrt vor, Container greifen .... etc. Praezise, ja fast lauflos und ohne Hektik erschien uns diese Taetigkeit -  sehr anmutend zu beobachten. Da eigentlich keine Menschen zu sehen waren, wirkte der ganze Ablauf wie ein von unsichtbarer Hand gesteuerter Vorgang. Wir konnten etwas herumspazieren und die Atmosphaere auf uns wirken lassen. Im Hintergrund die Skyline von Bangkok, stellten wir uns in Position fuer ein Gruppenfoto. Einige Mitglieder haetten gerne noch etwas laenger dort verweilt, einfach weil die Stimmung so beeindruckend war.

 

Mit Polizeigeleit ging es wieder zurueck. In einem Restaurant am Ausgangspunkt unserer Tour waren bereits mehrere Tische fuer uns arrangiert. Wir alle genossen das ueberaus reichliche und leckere Essen und natuerlich die nette Unterhaltung. Wir bedankten uns bei Herrn Winzenborg, Frau Russel und Herrn Schotte fuer den informativ ausgearbeiteten Hafenbesuch. Fuer uns alle war es wirklich interessant zu sehen, wie Teile unseres Hab und Gutes befoerdert werden. Auch ist es fuer die meisten von uns nur eine Frage der Zeit, bis auch ‚unser Container’ wieder im Hafen von Bangkok abgefertigt wird. Wie immer wird dann auch etwas Wehmut dabei sein, doch nun haben wir ein Bild davon, wo und wie unser Container die letzten Stunden in Thailand verbringen wird. Eine beruhigende Versicherung. Uebrigens, einen Container von Bangkok nach Hamburg zu verschiffen dauert ca. 3 Wochen.

 

Der Firma Leschaco (Thailand) Ltd. von allen teilnehmenden Mitgliedern der Drehscheibe nochmals ganz herzlichen Dank fuer die kompetende Fuehrung und unterhaltsame Begleitung.

 

Wer noch mehr ueber den Hafen und die Firma Leschaco erfahren bzw. erlesen moechte kann unter folgenden webpages nachschauen.

www.port.co.th

www.bkp.port.co.th

www.leschaco.co.th

 

 

 

25.10.2005 RR

 

      

  

              

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