Satellitenstation

                         

Heute war ein ‘Blick aus dem All’ angesagt. Die Voraussetzungen waren guenstig – aufgrund extrem guter Verkehrsverhaeltnisse waren alle 16 Mitglieder zum Teil mehr als ueberpuenktlich an der GISTDA (Thailand Geo-Informatics and Space Technology Development Agency) Ground Receiving Station beim TRSC (Thailand Remote Sensing Center) im Lat Krabang District von Bangkok. Khun Oey, Assistant Vice President Operations und Ground Station Manager von SISEA (Space Imaging Southeast Asia Co., Ltd.) hatte unsere Gruppe bereits erwartet. Kaffee und Gebaeck konnten wir bei der ausserordentlich interessanten Praesentation geniessen. Khun Oey sprach in excellentem Englisch, was fuer unsere deutschen Ohren bei all der Terminologie von groesstem Vorteil war, ueber die Taetigkeit von SISEA  im Allgemeinen und die Bildwiedergabe im Besonderen.

Space Imaging schrieb Geschichte, als am 24. September 1999 vom Luftwaffenstuetzpunkt Vandenberg, Kalifornien, der 725 kg schwere Satellit IKONOS mit Hilfe der Athena II Rakete ausgesetzt wurde. IKONOS war der erste kommerzielle Satellit der Welt fuer Bilder mit hoher Aufloesung. Das Wort IKONOS stammt aus dem griechischen und bedeutet ‚image = Bild’. 

Ein immer schneller wachsender Markt erforderte detaillierte, absolut genaue Satellitenbilder fuer eine Bandbreite von Einsatzmoeglichkeiten, wie unter anderem z.B. Kartographie, Landschaftsvermessung und Staedteplanung. Der IKONOS Satellit war auch der erste seiner Art, der gleichzeitig panchromatische Bilder (schwarz-weiss) mit 1-Meter Aufloesung sowie Multispektralbilder (farbig) mit einer 4m-Aufloesung liefern konnte. Der Satellit ist so konzipiert, dass er Digitalaufnahmen von der Erde aus 680 km Hoehe machen kann und sich dabei mit einer Geschwindigkeit von ungefaehr 7 km pro Sekunde bewegt. Die Kamera kann Gegenstaende auf der Erdoberflaeche bis zu einem Quadratmeter Groesse unterscheiden. Der IKONOS Satellit dreht sich um die Erde in einer mit der Sonne gleichgehenden Umlaufbahn einmal alle 98 Minuten bei insgesamt fast 15 Umdrehungen pro Tag. Dabei passiert er taeglich einen gewissen Laengengrad um etwa die gleiche Ortszeit, wie hier in Thailand um 10.30 Uhr morgens. Diesen Vorgang  nennt man ‚pass’. Nachbarlaender koennen bis zu zwei ‚pass’ haben, wie um ca. 9 Uhr morgens und um die Mittagszeit. Die Bildaufnahmen koennen in einem Schwenk von 700 km bei einer Minimalaufnahmeflaeche von 100 qkm und einer Maximalaufnahmeflaeche von 10.000 qkm pro pass gemacht werden. Der Satellit hat eine erwartete Einsatzdauer von mehr als sieben Jahren.

Der IKONOS Satellit ist im Besitz einer Firma, die in Denver, Colorado, ansaessig ist und mit der Bodenstation  SISEA zusammenarbeitet, welche die Exclusivrechte fuer die Bilder hat. Und mit diesem Anspruch auf die eigenen Produktrechte bezueglich der gesammelten Daten innerhalb der gesamten suedostasiatischen Region, findet der Vertrieb zu kommerziellen Kunden und der Regierung ueber das ROC (Regional Operation Center) statt. Das ROC wiederum vermarktet die Produkte mit Hilfe von mehr als 20 oertlichen bzw. regionalen Wiederverkaeufern, die meist innnerhalb dem von Bangkok als Mittelpunkt ausgehenden Radius vom 4.600 km = ‚communication cone’ taetig sind. SISEA existiert seit dem Jahr 2002, startete den kommerziellen Betrieb im Februar 2003 und besitzt die neueste Technologie und Ausstattung fuer das ROC. Das aeusserst gut ausgebildete technische Team von SISEA kann alle Ablaeufe von Anfang bis Ende der automatisierten Bildproduktion ausfuehren.

Wir konnten noch erfahren, dass ein Bild fuer eine Aufnahme von 1 qkm Flaeche ungefaehr 37 $ kosten. Nachdem immer mehr Privatpersonen interessiert sind an Satellitenaufnahmen muss noch erwaehnt werden, dass eine Aufnahme aber erst ab einer Flaeche von 100 qkm gemacht werden kann. Dabei ist es kein Problem diesen kleinen Ausschnittt von 1 qkm herauszufiltern, doch die Kosten fuer die ganze Vorgehensweise verteuern natuerlich dieses Ansinnen immens.

Um eine Erlaubnis fuer einen ‚pass’ zu bekommen, muss SISEA  dies mindestens 3 Tage im voraus beantragen. Danach sendet die Bodenstation Signale zum Satelliten, um die Kamera zu aktivieren. Der Satellit muss mit den Koordinaten und Bilddaten gefuettert werden. Ein ‚time slot’ betraegt ca. 2 Minuten, kann aber maximal 6 Minuten sein. Es ist enorm wichtig, mit anderen Bodenstationen im Grossraum Asien zu kommunizieren, damit jeder einmal Zugang hat. Dabei muss viel spekuliert, kalkuliert und verhandelt werden. Khun Oey verglich diese Struktur mit einem Schachspiel, wo eine extrem strategische Vorgehensweise erforderlich ist. Auch die Justierzeit der Kamera, um ein Ziel anzuvisieren, muss miteinkalkuliert werden. Um ein klares Bild zu bekommen ist es wichtig zu wissen, dass je hoeher die Aufloesung ist, umso besser gezoomt werden kann. Fuer aussagekraeftige Footprints ist es auch unerlaesslich zu beachten, dass nur bis maximal 20% Wolkendecke eine akzeptable Aufnahme zustande kommt. Laut Aussage von Khun Oey ist das Wetter ein sehr wichtiger und aeusserst kritischer Faktor. Selbst genaueste Vorhersagen koennen keine Garantie fuer einen optimalen Betriebsablauf geben. Trotz der ausgetueftelten Technik gibt hier die Natur letztendlich das final ‚go’.

Wir konnten einige Beispiele sehen, wie der Einsatz von Satellitenbildern im Alltag mittlerweile unerlaesslich ist – Rodung und Forstwirtschaft im Amazonas Gebiet, Industrieunfaelle mit Oel, Opiumanbau in schwer zugaenglichen Bergregionen wegen Drogenkontrolle und nicht zuletzt bei Naturkatastrophen (Tsunami). Dabei werden die Aufnahmen in der Gegenfarbe ausgedruckt. D.h. Wald, der normal gruen ist, wird dann in roter Farbe erscheinen, was einen staerkeren Kontrast erlaubt und Konturen besser erkennen laesst. Auch 3 D Bilder sind moeglich. Wir konnten uns mit einer Spezialbrille vor einen Computer setzen und eine Aufnahme studieren. Dieser Vorgang ist extrem anstrengend fuer die Augen und einige von uns fuehlten sich nach nicht nur einer Minute bereits schwindelig. Insgesamt war es interessant, auch die Arbeitsplaetze der Mitarbeiter zu sehen und deren momentane Taetigkeiten erklaert zu bekommen. An einem Modell eines Satelliten konnten wir sogar die Technik etwas erkennen.

Bevor wir verabschiedet wurden, bekamen wir noch 8 Kalender der Frima mit eindrucksvollen Aufnahmen geschenkt. Da wir aber 16 Damen waren, haben wir uns kurz entschlossen, Nummern zu ziehen, damit – unter viel Gelaechter - eine gerechte Verteilung garantiert war. Vor unserer Rueckfahrt in Richtung Heimat konnten wir im Aussengelaende noch die Satelliten-Empfangsschuesseln sehen. Khun Oey verabschiedete uns alle nach der fast zweistuendigen Tour mit einem freundlichen ‚nice to meet you’. Wir bedankten uns fuer Ihre Zeit und den ueberaus informativen und humorvollen Vortrag.

Wann immer wir nun Space Images im Alltag begegnen werden, haben wir einen kleinen Eindruck von dem ganzen Prozess vor unserem geistigen Auge.

28.03.2006 / RR

 


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