Agalico Café und Residenz  

 

Unsere heutige Tour brachte uns in die Soi 51 zum Agalico Cafe, um die nebenan erbaute Residenz von M.L. Poomchai Chumbala zu besichtigen. Es gab zwar einige kleine Fragezeichen waehrend der Planungsphase, die erst geklaert werden mussten, aber die Geduld hat sich letztendlich gelohnt! Eine stattliche Gruppe von 25 Mitgliedern der Drehscheibe traf sich ab 9.30 Uhr im Cafe. Nach einer kleinen Erfrischung starteten wir puenktlich um 10 Uhr mit unserer Fuehrung. Mom Bongkojpriya (Betty) Yugala, die mit Khun Poomchai verwandt ist und auch die Residenz gut kennt, hatte sich bei meiner Anfrage spontan bereit erklaert,  uns mit ihrem umfangreichen Wissen interessante Details zur Entstehung und Geschichte des Hauses und der Einrichtung (fast ausschliesslich Antiquitaeten) zu uebermitteln.

Unser Treffpunkt, das Cafe Agalico, ist ein kleiner Traum in Weiss und befindet sich ebenso im Besitz von Khun Poomchai. Leider hat dieses Kleinod nur am Freitag, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geoeffnet. Es ist wahrlich ein Refugium inmitten der Hektik Bangkoks. Der romantisch gestaltete Garten mit diversen Brunnen und Wasserspielen samt Pavillion ist eine Oase der Ruhe und laedt zum ‚Seele baumeln lassen’ ein. Durch diesen Garten fuehrte Mom Betty die Gruppe vorbei an einem ansonsten verschlossenen Tor in die angrenzende Residenz, die eigentlich ein bewohntes Privathaus ist und normalerweise nicht besichtigt werden kann. Die Grosszuegigkeit des Hausherrn, unserer Gruppe den Zutritt zu gestatten, betrachte ich als ausserordentliches Privileg. Befinden sich dort doch fast ausnahmslos in muehsamer Kleinarbeit zusammengetragene Pretiosen und Kunstgegenstaende von enormem Wert.

Khun Poomchai, ein direkter Nachfahre von Koenig Rama IV, ist ein erfolgreicher Innenarchitekt, geschaetzter Kunstkenner und bekanntes Mitglied der Thai Gesellschaft. Als Kind musste er in England zur Schule, so wie schon frueher sein Vater, in dasselbe 400 Jahre alte Internat. Tradition und Bodenstaendigkeit sind Grundprinzipien von Khun Poomchai, gepraegt durch diese Erziehung. Dies zeigt sich noch heute in all seinem Tun. Auch das Streben nach Eigenstaendigkeit und Unabhaengigkeit veranlassen ihn immer wieder zu einem Handeln, das seinem gesellschaftlichen Stand nicht unbedingt entspricht. Trotz finanzieller Abgesichertheit und genuegend zur Verfuegung stehendem Personal faellt es ihm nicht schwer, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und wenn es sich dabei um das Putzen handeln sollte. Er hat ein Studium in Textildesign absolviert, bevor er am St. Martin’s College in London,  einer Hochschule fuer Kunst, in den Faechern Mode und Textildesign Meisterkurse belegte. Als er im Alter von 21 Jahren wieder nach Thailand kam, ging er als Dozent an die Universitaet in Chiang Mai. Sein Hintergrund in Textildesign kombiniert mit seiner Vorliebe fuer Farben, Materialien und Kunst im Allgemeinen schuerten sein ploetzlich erwachendes Interesse an Thailands Kunst und Architektur.

Waehrend seiner Zeit in Chiang Mai erlebte er immer wieder, wie Hausbesitzer ihre traditionellen Holzhaeuser abrissen und in Form von Brennholz entsorgten, um Platz fuer geraeumigere Bauten im westlichen Stil  zu machen. Man wollte ja dem Zeitgeist entsprechen. Dies stiess bei Khun Poomchai auf voelliges Unverstaendnis. Eines Tages fasste er den Entschluss, diese alten Holzpaneele aus den Abbruchhaeusern zu sammeln und zwischenzulagern. Das war der Anfang von einem umfangreichen Projekt, das am Ende fast 20 Jahre in Anspruch nehmen sollte.

In einem Grundstueck aus dem Familienbesitz in der Soi 51 sah Khun Poomchai die einmalige Gelegenheit, Natur inmitten der Stadt erleben zu koennen. Er plante eine nahtlose Verschmelzung von traditioneller Eleganz und modernen Annehmlichkeiten. Dabei forderte er die Herkoemmlichkeiten, die das Design von aelteren Haeusern mit sich brachte, kurzerhand heraus.

Die von uns heute besichtigte Residenz besteht aus den alten, geschnitzten Paneelen, die nun als Waende dienen und die mit Hilfe eines versteckten Stahlrohrrahmens zu 5 Fluegeln in einer H-Form gruppiert wurden. Diese Positionierung garantiert uneingeschraenkte Aussichten und eine gute Querlueftung. Das Konstrukt war dadurch so stabil, dass die Saeulen aus Teakholz und das steile Dach, gedeckt mit Dachplatten, guten Halt fanden. In den Hohlraeumen des  Bauwerkes konnte man geschickt die notwendigen Versorgungsleitungen unterbringen und durch die gewonnene Stabilitaet konnte hoeher und groesser gebaut werden, als es bislang je moeglich war. Auch hat Khun Poomchai seinen Eingang ueberdacht, was nicht der herkoemmlichen Bauweise entsprach und sogar als Unglueck bringend betrachtet wurde. Doch hier brach wieder sein praktisches Denken durch, sollte doch kein ankommender Gast waehrend des Monsunregens durchweicht werden.  Und zum Glueck haben bislang die boesen Geister ob dieser eigenwilligen Planung mindestens ein Auge zugedrueckt und Frieden walten lassen.

Beim Betreten des Innenhofes wird man aufgrund installierter Blenden aus Bambus von gefiltertem Licht begruesst. Ein faszinierend angelegter Garten im japanischen Stil empfaengt den Besucher, untermalt von sanftem Geplaetscher. Anschliessend konnten wir in Wohnzimmer, Speisezimmer, Schlafzimmer und Bibiliothek einen Einblick bekommen. Ueberall gibt es Kunstschaetze, liebevolle Dekorationen,  je nach Bedarf sogar selbstentworfene Moebel und einzigartige  Erbstuecke, geschmackvoll miteinander kombiniert. Diese stilgerechte Moeblierung, entsprechend dem Zweck eines jeden Raumes, zieht sich konsequent durch das gesamte Anwesen. Umliegende Veranden und Holzdecks erlauben dem Bewohner den direkten Zugang zu den Gartenanlagen, wo auch haeufig Mahlzeiten eingenommen werden. Bei geoeffneten Tueren tritt man auf Holzstegen ueber die neu angelegten Teiche und kommt dem dunklen Blattwerk des parkaehnlich angelegten Grundstueckes nahe, umschwirrt vom Summen der Insekten. Nachts, im dezenten Licht der kristallenen Kron- und Armleuchter verschmilzt der Schatten des erhaben auskragenden Dachvorsprungs mit dem gesamten Umfeld. Kaum vorzustellen, dass diese idyllische Einrichtung einmal ein Parkplatz war. Nur der 200 Jahre alte Banyan Baum steht unveraendert am selben Ort.

Was mir persoenlich in besonderer Erinnerung blieb, ist die von Khun Poomchais Vater vererbte aeussert umfangreiche Sammlung von Vogeltraenken aus zerbrechlicher Keramik. Ein fast raumhohes Glaskabinett ist voll von den bunten und einzigartigen Sammlerstuecken, die sicher mit viel Sachkenntnis zusammengetragen wurden und nun perfekt ausgeleuchtet werden und dadurch vermutlich am Abend der Bibliothek einen besonders charmanten Effekt verleihen.

Diese Residenz ist ein herausragendes Beispiel von traditionellem Thai Design mit einer der umfangreichsten Sammlungen an Erbstuecken aus koeniglichem Besitz weit und breit, welche hauptsaechlich aus dem beruehmten Burapa Palast von Prinz Bhanurangsi, einem Bruder von Koenig Rama V und Urgrossvater von Khun Poomchai stammen.

Die gesamte Gruppe war von dem Besuch rundherum begeistert. Zum einen von Mom Bettys kompetenter Fuehrung und zum anderen von der umsichtigen Begleitung durch Khun Poomchais Hauspersonal. Die Raeumlichkeiten wurden fuer uns soweit moeglich sogar heruntergekuehlt, und selbst die Schuhe wurden  uns vom Haupteingang, den wir bei Beginn der Fuehrung nutzten, zum Nebeneingang am Ende der Fuehrung gebracht. Nach einem Gruppenfoto bedankten wir uns mit einem kleinen Geschenk bei Mom Betty. Leider war Khun Poomchai verhindert und wir mussten das Praesent fuer ihn an seine Haushaelterin uebergeben. Ich hatte ihn noch am Morgen vor dem allgemeinen Zusammentreffen gesehen,  wobei er zum wiederholten Mal ausdruecklich betont hat, dass es ihm eine Freude sei, uns Damen von der Drehscheibe einen Einblick in seine Residenz zu gewaehren. Seine absolut freundliche und ueberzeugende Art liessen fuer mich an dieser Aussage nun keinen Zweifel mehr aufkommen.                                

Zurueck im Cafe wurden wir durch ein von uns organisiertes Catering der Firma ‚au bon pain’ professionell bewirtet. Mit freundlicher Zustimmung von Khun Poomchai konnten wir diese Raeumlichkeiten noch eine Weile nutzen. Wer mehr ueber seine Residenz erfahren wollte, konnte sich ein Exemplar der eigens fuer uns bereitgelegten Kopien eines Artikels aus dem Magazin ‚Architectural Digest’ mitnehmen. Nachdem mittlerweile der Zeiger der Uhr schon gegen Lunchzeit ging, waren die appetitlich angerichteten Haeppchen und Teilchen gerade richtig, um ein erstes Knurren unseres Magens zu unterbinden. In der ueberaus gemuetlichen Atmosphaere haben wir – so denke ich - alle diese Plauderstunde richtiggehend genossen. Das Licht der Sonnenstrahlen von draussen verliehen der positiven Stimmung sowie dem Ambiente drinnen noch das absolute ’Tuepfelchen auf dem i’. Was will man mehr? Es war ein gelungener Vormittag!

 

05.09.06 / RR

 

 


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