Besuch bei der Firma Beiersdorf

 

Zum zweiten Mal innerhalb von 3 Jahren wurden wir Damen der Drehscheibe heute von der Firma Beiersdorf willkommen geheissen. Etwas ‚ausserhalb’ von Bangkoks Zentrum gelegen machten sich immerhin 24 Mitglieder auf den Weg zur Firmenbesichtigung. Dickes Lob an alle fuer das aeussert puenktliche Erscheinen! Somit konnten wir wie geplant kurz nach 10 Uhr beginnen.       

Herr Mueller-Koertke, Materials Management, begruesste uns ganz herzlich. Der anschliessende Powerpoint unterstuetzte Vortag gab uns sicherlich einige Hintergrundinformationen zur Firmengeschichte, Produktpolitik und dem Vertriebsnetz weltweit. Eingestreute Radio- und TV-Werbespots (Cartoon ueber Eulalias Verjuengung), teilweise zurueckgehend bis zum Jahr 1920, gaben uns einen Einblick in den damaligen Werbezeitgeist. Wir konnten auch erfahren, dass Elly Heuss-Knapp von 1934 bis 1945 fuer die Werbung bei NIVEA verantwortlich war. Ihr Mann, der erste deutsche Bundespraesident Theodor Heuss, verlieh damals einer Werbekampagne sogar seine Stimme. Doch leider konnte keine Drehscheiben-Freundin diese Person anhand der Stimme erkennen. Tja ..., es war schwaebischer Dialekt ..., aber von wem? Trotzdem interessant zu erfahren.

Die Firma Beiersdorf zitiert in ihrem Firmenprofil – ‚intensivstes Interesse fuer Markenprodukte, intensivstes Interesse am Menschen’ – und verweist dabei auf ein Ziel, immerzu den Beduerfnissen von Haut und der dazugehoerigen Schoenheitspflege entgegenzukommen, und das weltweit und fuer jedermann. Die nachstehend erwaehnten Produktnamen (Jahr der Markteinfuehrung) sind vom Namen Beiersdorf heute nicht mehr wegzudenken: NIVEA (1911), 8x4 (1951), Atrix (1955), Eucerin (1990), Labello (1909), La prairie (1991), JUVENA (1990), FUTURO (1996), Florena (2002) und Hansaplast (1922). Unter dem Namen ‚tesa’ werden Produkte zum Kleben fuer Kunden aus der Industrie  und den Endverbraucher entwickelt und vertrieben.

Die Forschung und Entwicklung bei Beiersdorf greift auf eine 120-jaehrige Erfahrung zurueck. Die Firma ist bestrebt, qualitativ hochwertige Innovationen moeglichst schnell im Markt einzufuehren. Eine starke internationale Vertretung mit ca. 150 Tochterfirmen und mehr als 16500 Mitarbeitern garantieren diesen Erfolg. Die Tatsache, auf Benutzerbeduerfnisse einzugehen und diese ernst zu nehmen, ist Teil der Basis des Firmenerfolges weltweit. Die Erkenntnis, dass der Marktanteil hauptsaechlich durch qualitatives Wachstum zu steigern ist, hat bei Beiersdorf zu der ‚Passion for Success’-Strategie gefuehrt. Diese verbindet eine aussergewoehnliche Markenpolitik plus Kundenzufriedenheit, gezielt placierte Vertriebsketten, Lean Management und klare geografische Zielorientierung. Das heisst, Produkte von hoechster Qualitaet zu zivilen Preisen, ununterbrochene Verfuegbarkeit der Produkte, einmaliger Service, absolute Offenheit gegenueber Innovationen sowie das Erkennen der Beduerfnisse von Kunden gilt als stetes Muss. Das zukunftsorientierte Denken und die aktive Beteiligung am Markt garantieren langfristig wiederum sichere Arbeitsplaetze und eine Trendsetterposition im Wettbewerb. Grosse Investitionen in Forschung und Entwicklung sind dabei unabdingbar. 120 Jahre fachspezifisches Wissen in der Hautforschung, 100 Jahre know-how in der Gewerbekunde von Emulsionen und 120 Jahre Erfahrung bei der Entwicklung von Pflaster gekoppelt mit einer ‚state-of-the-art’-Technologie sichern die allgemeine Marktposition.

Auch muessen alle Produkte von Beiersdorf einen 3-Phasen-Entwicklungsplan durchlaufen, bevor sie auf den Markt kommen.

- Phase 1: grundsaetzliche technologische Erforschung von neuen Substanzen       und deren Kombinationen = ca. 3 Jahre

- Phase 2: daraus ausgewaehlte Rohmaterialien und –verbindungen werden weiter erforscht und endgueltig verfeinert = ca. 2 Jahre

- Phase 3: davon wird das Endprodukt definiert und mit neuester Technologie perfektioniert.

Der Erfolg wiederum zeigt, dass 30% des Verkaufs von Produkten darauf zurueckzufuehren ist, dass diese nach o.g. Schema tatsaechlich innerhalb von nur 5 Jahren Entwicklungszeit  auf den Markt gebracht worden sind. Dabei achtet die Firma Beiersdorf stets auf Sicherheit im Betrieb und den Umweltschutz. Auch fuehlt sie sich fuer zukuenftige Generationen verantwortlich sowohl im wirtschaftlichen, im umweltbedingten als auch im sozialen Bereich.

Die Firma Beiersdorf wurde im Jahr 1880 von Paul C. Beiersdorf in Hamburg gegruendet. In seiner Apotheke wurden lt. kaiserlichem Patentamt mit der Patentschrift No. 20057 aus dem Jahr 1890 das erste Pflaster urheberrechtlich geschuetzt. Im selben Jahr uebernahm Dr. Oscar Troplowitz diese Pharmazie. Damit nahm die kontinuierliche Entwicklung ihren Lauf. Das Research- und Developmentcenter in Hamburg beschaeftigt heute nun 200-300 Leute, die Grundlagenstudien betreiben. 2004 wurde das NIVEA-Haus am Jungfernstieg eroeffnet, was so ziemlich einmalig ist fuer eine ‚Consumerbrand’. Es gibt mittlerweile enorme Wartezeiten, um eine Koerper-Behandlung zu buchen. Dies ist auf das attraktive Preis-/Leistungsverhaeltnis und das reizvolle Ambiente zurueckzufuehren. Das Hauptproduktionscenter in Europa ist nach wie vor in Hamburg. Auch gibt es in der Firmenzentrale ein eigenes Museum, wo sogar ein Siam Domestic Sales Report aus dem Jahr 1926/27 zu finden ist.

Der Name NIVEA stammt aus dem Lateinischen und heisst ‚snow white’. Das eigentliche Markenbild ist seit dem Jahr 1911 (gelb-gruen) und 1928 (blau) unwesentlich veraendert worden und seit 1993 absolut unveraendert geblieben, was sowohl einen hohen Wiedererkennungswert garantiert als auch letztendlich ein gutes Produkt auszeichnet.

Die Verkaufszahlen im Jahr 2005 betrugen Euro 4,776 Mio weltweit. Davon 73,2% Europa, 12,4% Afrika, Asien, Australien und 14,4% Amerika. Der momentane Fokus gilt Asien und dabei verstaerkt den wachsenden Maerkten in  Indien und China.

Der Vertrieb in Thailand existiert seit 1926. Seit 1972 besteht die eigene Gesellschaft, zuvor wurde mit einem lokalen Partner operiert. Seit dem Jahr 1985 hat Thailand eine eigene Kosmetikproduktion. Bei einer Bevoelkerung von 64,6 Mio Menschen ist das nach wie vor ein Markt mit Zukunft. Hier am Ort gibt es 400 Beschaeftigte, davon 225 in der Fabrik und der Rest ist im Stadtbuero taetig. Als indirekte Mitarbeiter werden ca. 550 Personen bezeichnet, die als Verkaufs- und Werbehelfer in den Geschaeften eingesetzt werden, sowie befristete Mitarbeiter.

Der wachstumsstaerkste Markt mit +50% ist heute in Indochina. Die Beiersdorf Domestic Sales zeigen eine Steigerung von 1995 mit 10 Mio Euro auf 65 Mio Euro im Jahr 2006. Die NIVEA Thailand Market Shares sind auf Position 2 mit 17,7, gegenueber Unilever (Pos.1) mit 28,5 und Procter & Gamble (Pos. 3) mit 12,5 Punkten. Die vermehrte Nachfrage an ‚whitening’-Produkten im asiatischen Markt hilft diese Position weiter auszubauen. Interessant war auch zu erfahren, wie die NIVEA Verkaufszahlen pro Land und Einwohner p.a. sind, z.B. Europa mit 4,47 Euro, Thailand mit 1,31 Euro und China mit 0,05 Euro. Dabei ist erstaunlicherweise die Schweiz das Land in Europa, das die Statistik nach oben bringt wobei China ein Land im Aufbruch ist, das mit Sicherheit die momentanen Zahlen sehr bald ueberbieten wird.

Die Marktposition von Beiersdorf Produkten in Thailand:

No. 1          Deo NIVEA, NIVEA Deo Men, NIVEA Lip Care, NIVEA Sun, Eucerin

No. 2          DUO (= Kondome, mit eigener Fabrik in Malaisien)

No. 3 + 5    NIVEA Body, NIVEA Visage

Die Firma Beiersdorf ist auch sehr um ein gutes Betriebsklima besorgt. Bei einer Mitarbeiterbefragung wurde um Verbesserungsvorschlaege von Mitarbeitern gebeten. Dem Wunsch nach einem schoen angelegten Garten mit Sitzplaetzen im Eingangsbereich und einer Ueberdachung auf dem Weg zum Parkplatz wurde umgehend entsprochen.

Nun noch einige Daten zum Standort Thailand. Fuer das Produktionscenter auf einer Flaeche von 36000 qm wurde im Jahr 1982 mit dem Bau begonnen. 1985 wurde es fertig gestellt. Seit 1987 wird die Produktion gefahren. Es gibt 140 Rezeptformeln und 560 Artikel werden gemaess SKU (Stock Keeping Unit) gelagert, davon sind 310 Artikel fuer das Inland und 250 Artikel zum Export bestimmt. Im Jahr 2005 wurde z.B.  in 60 Laender ausgefuehrt, wobei fuer Australien speziell ein TGI (Therapeutic Goods Association Certificate) noetig ist. Das Roh- und Packmaterial kommt zu 20% aus Europa/Deutschland und zu 80% aus lokalen Quellen. Hierfuer gilt weltweit eine strenge Regulierung um dem allgemeinen Qualitaetsbewusstsein gerecht zu werden. Eine stattliche Zahl noch aus der Produktion: Im Jahr 2006 werden hier vor Ort 115,2 Mio Stueck  produziert werden. Was die Produktionsstaette in Bangkok darueberhinaus noch interessant macht ist die Tatsache, dass es nicht nur eine maschinelle sondern auch noch eine manuelle Produktionsschiene gibt. Dies nicht aus irgendwelchen Kostengruenden, sondern weil dadurch ganz schnell und unkompliziert innerhalb von 1 Stunde die Produktion umgestellt und auf kleine Mengen ausgelegt werden kann. Dies ist z.B. fuer Musterproebchen und Testproduktionen wichtig. Die Arbeiter arbeiten fast das ganze Jahr hindurch, meistens in drei Schichten.

Diese Vorabinformation und Fakten waren nach einer Kaffeepause dann beim anschliessenden Firmenrundgang sehr hilfreich zu wissen. Nach einem kleinen Verkleidungsakt – Haende desinfizieren sowie Arbeitsmantel, Kopfbedeckung und Schuhumhuellung anziehen - durften wir unter allgemeinem Gelaechter die Produktionsraeume betreten. Wir konnten von der Herstellung der Rohmasse bis zur Abfuellung, Verpackung und Lagerhaltung den kompletten Vorgang verfolgen. In zwei Gruppen aufgeteilt, eine rote und eine blaue, wurden wir von Mitarbeitern begleitet, die kompetent unsere Fragen beantworteten.

Als gegen Mittag dann die Produktion allmaehlich ruhiger wurde und fast alle Mitarbeiter in die Kantine gingen, wurden auch wir - wieder in unserer herkoemmlichen Erscheinungsform – an eigens reservierte Plaetze in derselben gefuehrt. Wir wurden mit einem exzellenten Essen und vorbildlichem Service verwoehnt. So gegen 13.30 Uhr wurden wir dann aeusserst freundlich verabschiedet. Jeder bekam noch eine Tragetasche mit diversen Produkten aus dem Hause ueberreicht, die uns sicher alle in der naechsten Zeit beim morgendlichen Cremen an unseren Besuch bei der Firma Beiersdorf erinnern werden. Auch der Zuruf von Herrn Mueller-Koertke, uns gerne naechstes Jahr wieder begruessen zu wollen, ging beim allgemeinen Verabschieden dennoch nicht verloren. Solche spontanen Einladungen werden umgehend in meinem Kalender vermerkt. 

Von den Mitgliedern der Drehscheibe nochmals ganz herzlichen Dank an Herrn Mueller-Koertke, Khun Poungpetch, die beim vorausgegangenen e-mail Kontakt sehr hilfreich war, Khun Kraisorn und Khun Paisal sowie Herrn Bernd Friedrich, die uns bei der Fuehrung begleitet haben, und allen beteiligten Mitarbeitern der Firma Beiersdorf fuer diesen gut organisierten und informativen Besuch.

Wer noch mehr ueber die Firma Beiersdorf und deren Produkte erfahren moechte, kann gerne unter www.beiersdorf.com nachsehen.

12.09.2006 / RR

 


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