DREHSCHEIBE
 

 

The runner knows it all…

Ein Ausflug zum Edelsteinmarkt nach Chantaburi

            

Thailand ist ja nicht nur wegen seiner schönen Strände und prächtigen Tempel bekannt, sondern auch wegen seiner Edelsteine oder ‚coloured stones’. Bangkok nennt sich gerne ‚the Gem Capital of the World’, doch die Hauptstadt des Handels ist sicher Chantaburi mit seinem Gem-Market. Um selbigen zu erkunden, machten sich sieben Drehscheibe-Freundinnen unter fachkundiger Leitung von Elsbeth Zimmermann, Edelsteinexpertin bei Lambert Industries, am 16.11. 2007 auf den Weg dorthin.

 

Pünktlich ging’s um 07.45 h ab Asok Richtung Pattaya, Rayong nach Chantaburi, Trat Province. Ein richtiger – und für die Organisatorin höchst entspannender – Glücksfall war, dass uns Khun Punch begleitete. Khun Punch studiert English und Business und wollte die Gelegenheit nutzen, ihr (gutes) Englisch in der Praxis zu erproben. Nach bereits drei Stunden kamen wir im K.P Grand Hotel an. Die kundige Führerin wartete schon auf uns: am besten gleich los zur Saphir-Mine wegen des Wassers. Hmm. Fahren wir mit dem Boot? Jede stellte sich unter einer Edelstein-Mine etwas anderes vor. Bis der Van vor einem weitem Aushub von rotem Lehmboden anhielt. Das ist eine Mine? Genau.

 

     

 

Das funktioniert so, dass Erde abgetragen und in einer Trommel mit hohem Wasserdruck ausgeschwemmt wird. Dadurch lösen sich die Steine, die dann wieder mit Wasserdruck in eine höher gelegenene Wannenkonstruktion befördert werden. Das Wasser fliesst ab, die Steine werden losgerüttelt, um dann ‚geerntet’ zu werden. Wir verstehen jetzt auch das Problem. Trockenzeit, Wasser ist mit dem dazu erforderlichen Druck nur begrenzt verfügbar. In der Regenzeit kann man die Steine manchmal so sammeln wie Muscheln am Strand.

 

     

 

Weiter ging’s zu einer Rubin-Schleiferei, ganz unscheinbar untergebracht im 1. Stock eines Wohnhauses. Und da lagen sie, die ‚Rubelites’, wie Himbeerbonbons, irgendwie verschrumpelt.

 

     

Die Steine werden einem Hitzeprozess unterzogen, um sie leuchtender zu machen und Einschlüsse aufzulösen. Zur Verstärkung des Effekts wird auch gerne Glas mit einfliessen lassen oder die eine oder andere Chemikalie... Bevor sie geschliffen werden, sucht ein Arbeiter den für den jeweiligen Stein geeigneten Schliff und gibt ihn dann an die Schleifer weiter, die in ihren Papp-Abteilen aus den Himbeerbonbons die schönen Klunkerchen werden lassen.

 

        

 

Wirklich faszinierend war das Schleifen der klitzekleinen. Es wurde uns gesagt, dass Arbeiter ein bis zwei Baht pro Stein bekommen. Noch schnell nach gegenüber in die Saphir-Schleiferei, dann hatten wir uns das Mittagessen aber auch verdient.

All diese Eindrücke!

 

           

 

Abends holte Khun Noom, Elsbeths Kollege und Einkäufer für Lambert zum Seafood-Dinner etwas ausserhalb Chantaburis ab. Köstlich!

 

   

Da der Markt erst um 11.00 h öffnet, hatten wir am Samstag schön Zeit zum Frühstücken – und Fachsimpeln natürlich. Dann ging’s zu ‚Bobby’ Steine kieken, wobei uns Elsbeth auf das Eine oder Andere aufmerksam machte. Vor allem darauf, dass sie alle viel zu teuer seien. Ok, (vorerst) Geld gespart.

 

  

 

Khun Noom hatte zwischenzeitlich sein Büro eröffnet bzw. sein Tischchen in einer quasi Verkaufshalle. Jetzt erfahren wir wie das so geht mit dem Handeln:

The runner knows it all.

 

     


Die Edelsteinhändler haben sogenannte Runners, Frauen und Männer, die mit Schultertaschen zwischen den Händlern pendeln. Als bei wir Noom waren, kam sein Runner, eine Dame, mit einem Päckchen. Darin eingewickelt war ein herrlicher Saphir – und der Verkaufspreis.

     

Nach Überprüfung der Qualität entscheidet Noom für wieviel er einen solchen Stein weiterverkaufen könnte. Noom wickelt den Stein wieder in das linierte Notizblockpapier, schreibt sein Angebot darauf, umwickelt das Päckchen mit Tesafilm, der Runner bringt ihn zurück an den Anbieter. Das kann einige Male so hin und her gehen, alles anonym, bis zum Abschluss. Wie Noom uns erzählt, weiss man nach einiger Zeit evtl. schon woher der Stein kommt, was aber weiter nicht interessant ist. Interessant ist nur, einen Stein wieder gut weiterverkaufen zu können. „Ob er schon mal einem falschen Stein aufgesessen sei“, fragen wir. Noom lacht, „of course it happened, not too often, you learn over the years“.

Während Noom erzählt und geduldig unsere Fragen beantwortet, kommen immer wieder Runner, die Ware anbieten. Manchmal nimmt er den Stein heraus, erklärt uns Farbe, Qualität. Was uns sehr erstaunt ist, dass es bei der grossen Anzahl von Runnern mit ihren prallgefüllten Taschen keinerlei ‚Security’ gibt.

And what if the runner runs?

Nun, hat’s alles schon gegeben, sagt Noom, ist eine Frage des Vertrauens. Da aber die Runner meist aus der Gegend sind und bekannt, ist das Glück – wenn’s denn eines ist – nur von kurzer Dauer. Gegen 13.00 h ist der Markt in ‚full swing’ und überall blockieren die Motorräder der Runner die Gehsteige. Jetzt wird’s Zeit für uns zu gehen.

 

 

Noch ein kleines Mittagessen und dann geht’s flott zurück nach Bangkok, wo wir (fast) ohne Stau pünktlich wieder ankamen.

 

Jetzt können sich die Äuglein wieder erholen, was für die Geldbörsen nicht nötig war, da wir allen glitzernden Verlockungen widerstanden – was aber wahrscheinlich in Elsbeths Laden nicht so einfach sein wird, oder wie war das mit Geschenk zum Hochzeitstag Silvia? Oder das Abschieds- und Erinnerungsgeschenk an Bangkok Charlotte?

 

 

Vertrauensvoll Edelsteine kaufen könnt Ihr bei Lambert Industries. (www.lambertgems.com).

 

Chantaburi (City of Moon) ist auch der Obstgarten Thailands. Es ist eine alte Khmerstadt und interessanterweise haben sich hier christliche Vietnamesen niedergelassen. Gute Infos zur Stadt und Geschichte findet Ihr unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Chanthaburi_%28Provinz%29

 

 

18.11.2007 / AF

 

 

 

 

 

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