DREHSCHEIBE
 

Ahoi: Einladung zum Vortrag über die Deutsche Marine

 

 

Dienstag, 20. Februar 2007. 10.00 Uhr. Besprechungszimmer Deutsche Botschaft. Gäste: 14 Damen der Drehscheibe.

Einen äußerst interessanten wie vergnüglichen Vormittag hatte unsere Drehscheibe-Freundin Margit Schumacher heute für uns organisiert: Ihr Mann Joachim, Fregattenkapitän und stv. Verteidigungsattaché an der Deutschen Botschaft Bangkok, informierte uns über die Deutsche Marine im Allgemeinen und seinen Aufgaben hier vor Ort im Besonderen. Das war alles andere als ein trockener Vortrag und überhaupt, wann hat frau schon mal diese Gelegenheit?

 

   

 

Nach der Begrüßung in die Runde blickend meinte er, dass die 64 Seiten-Präsentation über die Anfänge und Geschichte der deutschen Marine seit 1650 wohl doch nicht sooo prickelnd sei, viele alte Männer und viele alte Schiffe... wir nickten zustimmend, lieber moderne Schiffe und drahtige Matrosen, oder so... Mit Freude und auch für uns Landratten verständlich präsentierte Joachim Schumacher die Struktur der deutschen Marine, u.a. was ein Flotten-Komando ist, Einsatzflottillen, erklärte diverse - höchst raffinierte - U-Boot-Typen und eingesetzte Elektronik. Ebenso ging er auf die humanitären Einsätze der deutschen Marine ein, wie z.B. der Einsatz in Aceh/Indonesien nach dem Tsunami, und auf die Aufgaben und das Engagement des Marine-Personals, dem auch immer mehr Frauen angehören.

 

Zwei Stunden vergingen wie im Flug – oder besser wie im Schnellboot (nicht Dickboot). Margit meinte dann, dass es nun doch Zeit für den Imbiss sei – keine der Damen widersprach. Bei frischem deutschen Weißwein (jawoll), belegten Brötchen und Bouletten beantworte Herr Schumacher unsere Fragen und diskutierte erfreulich offen die Themen mit uns.

 

   

 

Wieder mal wurden wir unserem Anspruch gerecht: Jeden Dienstag was Neues lernen. Ahoi Margit und Joachim und immer ’ne Handbreit Wasser unterm Kiel!

 

 

20.02.2007 / AF

 

 

Ausführliche Infos zur Deutschen Marine hat Renate Rossmanith im Anhang für Euch zusammengestellt:

 

Eine internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sowie der Kampf gegen den Terrorismus bestimmen heute die Aufgabenstellung der Deutschen Marine. Der weitere Auf- und Ausbau der erforderlichen maritimen Fähigkeiten stellt momentan den Schwerpunkt der Planungen dar.

 

Für alle Handelstreibenden Nationen der Welt ist die See der wichtigste Transportweg zum Warenaustausch. Da Deutschland als Exportnation hoch industrialisiert, jedoch rohstoffarm ist, ist sie auf den gesicherten Zulauf der erforderlichen Importe besonders angewiesen.

 

Deutschland als Mitgliedstaat der NATO sichert über die Bundeswehr und Marine eine bestimmte Aufgabe. So müssen die NATO-Marinen und sämtliche Teilnehmerstaaten der ‚Initiative Partnership for Peace’ (PfP) regelmäßig an gemeinsamen Manövern teilnehmen, um den Ausbildungsstand zu halten und um alle verschiedenen Schiff- und Bootstypen zusammenzuführen.

 

Die Deutsche Marine kann nicht auf eine historische Kontinuitätslinie zurückblicken wie die meisten anderen Marinen. Vielmehr spiegeln sich die Epochen der deutschen Geschichte auch

in denen der Geschichte der neun Marinen seit 1848 wieder:

-          Bundesflotte

-          Preußische Marine

-          Marine des Norddeutschen Bundes

-          Kaiserliche Marine

-          Reichs- und spätere Kriegsmarine

-          Bundesmarine und parallel existierende Volksmarine

-          Deutsche Marine (seit 1990).

 

Die Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) sowie die Konzeption der Bundeswehr (KdB) definieren die Neuausrichtung und die Anpassung an zukünftig wahrscheinliche Aufgaben der Konfliktverhütung, Krisenbewältigung und den Kampf

gegen den internationalen Terrorismus. Für die Marine gilt das Fähigkeitspofil:

-          Führungsfähigkeit

-          Nachrichtengewinnung und Aufklärung

-          Mobilität

-          Wirksamkeit im Einsatz

-          Unterstützung und Durchhaltefähigkeit

-          Überlebensfähigkeit und Schutz.

 

Die von den VPR festgelegten Fähigkeiten müssen bereitgestellt werden und der KdB fordert dabei die Gliederung in

drei Kräftekategorien, wie Eingreifkräfte, Stabilisierungskräfte und

Unterstützungskräfte. Es gilt, maritime Fähigkeiten aufzubauen, die es den Streitkräften der BRD gestatten, die See

als stets verfügbares, weltweites Aufmarsch- und Operationsgebiet für die Erfüllung der wahrscheinlichen Aufgaben zu nutzen. Seestreitkräfte können weltweit selbständig oder als Plattform für Streitkräfte gemeinsame Operationen

eingesetzt werden.

 

Die jährliche Weisung der Marine ist keine Weisung mit zwölfmonatiger Gültigkeit, sondern enthält kurz-, mittel- und langfristige Zielvorgaben mit jährlicher Aktualisierung. Auch im Jahr 2007 wird die Deutsche Marine den eingeschla-

genen Weg zur Weiterentwicklung ihrer Einsatzfähigkeit fortsetzen.

 

Weisungsbefugte Personen der Deutschen Marine sind:

-          Inspekteur der Marine ‚Vizeadmiral’

-          Stellvertreter des Inspekteurs ‚Konteradmiral’

-          Befehlshaber der Flotte

-          Amtschef des Marineamtes.

 

Das Marineamt ist neben der Ausbildung auch für die Logistik und andere Grundsatzbereiche der Marine zuständig. So unterstehen ihm die Schule und die Marinestützpunkte, das Kommando Marineführungssysteme und anderes, wie z.B.

das Segelschulschiff Gorch Fock.

 

Die verschiedenen Schiffe und Boote sind mehr als nur komplexe Maschinen – sie sind eine Einheit aus Menschen und Maschine. Die jeweiligen Schiffsklassen setzen eigene Schwerpunkte hinsichtlich ihres Einsatzspektrums. Als Waffen

und Systeme gelten:

-          Fregatten

-          Korvetten und Schnellboote (Spezialisten im Küstenvorfeld)

-          Minenabwehreinheiten (Minenjäger, Minensucher, Hohlstablenkboote)

-          U-Boote

-          Luftfahrzeuge (Helikopter, Flugzeuge)

-          Hilfsfahrzeuge (Einsatzgruppenversorger, Seeschlepper, Segelschulschiff).

 

Bei der Ausbildung ist es unumgänglich die Begriffe des Marinelexikons intus zu haben, die wie eine eigene Sprache anmuten. Es ist ein Nachschlagewerk für Seemannsgarn und das Wortgut der ‚Blaün Jungs’. Unter www.marine.de/lexikon kann Marinedeutsch von A = abblenden und abfallen (den Wind mehr von rückwaerts nehmen; mit dem Bug vom Wind abwenden) bis Z =

Zerstörer, ursprünglich Torpedobootszerstörer (schnell fahrendes Kriegsschiff von der Größe zwischen Fregatte und Kreuzer, das zur Bekämpfung von Über- und Unterwasserzielen wie auch zur Luftabwehr geeignet ist) nachge-

schlagen werden.

 

Die Marine unterhält verschiedene Schulen:

MSM: Marineschule Mürwik für Offiziersnachwuchs

MUS: Marineunteroffizierschule Plön für die Ausbildung der Unteroffiziere

MTS: Marinetechnikschule Parow für die Ausbildung in Betrieb, Wartung, Instandsetzung

MOS: Marineoperationsschule Bremerhaven für die Ausbildung in nautischen und operativen Verwendungen (Navigation, U-Jagdverfahren, Minenräum-, Jagd- und Flugabwehrverfahren).

 

Als Dienstflagge der Seestreitkräfte der Bundeswehr wird die Bundesdienstflagge in Form eines Doppelstanders geführt. Die der Stange abgewendete Seite der Flagge ist gezackt, was vom Bundespräsidenten Theodor Heuss verabschiedet wurde.

 

Die Marine unterhält ein Institut für Schifffahrtsmedizin, das sich mit maritimen Medizingebieten beschäftigt, wie Tauchmedizin, Notfallmedizin für Behandlung Schiffbrüchiger, Weisungen und Weiterentwicklung für Sea-Survial, Unterkühlungsbehandlung, Tropenmedizin, Selbst- und Kameradschaftshilfe etc.

 

Die Webpage www.marine.de bietet interessierten Lesern noch weitere Informationen über die Deutsche Marine.

 

20.02.2007 RR

 

 

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