DREHSCHEIBE


Perishable Beauty - Vergängliche Schönheit


           

Vergänglichkeit: Endlichkeit, Flüchtigkeit, Hinfälligkeit, Instabilität, Kurzlebigkeit, Kürze, Unbeständigkeit, Zeitlichkeit

Das nicht ewige Bestehen eines Zustandes. Die Erkenntnis, dass allem Werden das Vergehen immanent ist.


     

- Nichts bleibt das gleiche für zwei Augenblicke. Buddha ermahnt uns, über Vergänglichkeit nicht nur zu sprechen,    sondern sie als Hilfsmittel zu nutzen: sie hilft uns, tief in die Realität einzudringen und befreiende Einsicht zu erlangen. Wenn du die Vergänglichkeit voll einsiehst, wirst du dein Bestes tun, sie hier und jetzt glücklich zu machen. Der Vergänglichkeit bewusst, wirst du positiv, liebend und weise. Vergänglichkeit ist eine gute Nachricht. Ohne Vergänglichkeit wäre nichts möglich. Durch die Vergänglichkeit stehen alle Türen für Änderungen offen. Vergänglichkeit ist ein Werkzeug für unsere Befreiung. (Thich Nhat Hanh)

Schönheit: Herrlichkeit, Pracht

Die Vollkommenheit der sinnlichen Erkenntnis. Ein abstrakter Begriff, der stark mit allen Aspekten menschlichen Daseins verbunden sowie von Wertvorstellungen und gewissen Maßstäben abhängig ist. Oft durch gesellschaftliche Konventionen geprägt. Kriterien wie Harmonie und Symmetrie fallen auf – Ästhetik.

- Schönheit ist im Auge des Betrachters. Sprichwort

- Der beste Teil der Schönheit ist der, den ein Bild nicht wiedergeben kann. Francis Bacon

- Auch das Schöne muss sterben. Schiller

- Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast. Goethe

- In jedem Ding ist Schönheit verborgen – aber nicht jeder vermag sie zu sehen. Jued. Weisheit


Ein paar designorientierte Mitglieder der Drehscheibe trafen sich heute im sechsten Stock des Einkaufszentrums Emporium vor dem Thailand Creative & Design Center (TCDC) und warteten gespannt, bis sich dessen Pforten öffneten. Khun Aim und Khun Gung, die uns durch die Ausstellung führten, erwarteten uns bereits und begrüßten die Gruppe sehr freundlich. Vor dem Betreten des TCDC gab es schnell noch eine kurze Begriffserläuterung zum Lesen, gemäß dem Titel der Ausstellung ‚Perishable Beauty’, um die Thematik besser zu verstehen.

  


Nach der offiziellen Begrüßung führte uns Khun Aim durch die Räumlichkeiten des Design Centers. Diese Institution wurde 2004 eröffnet und gilt als eine gemeinnützige Organisation der Regierung unter der Schirmherrschaft des Premierministers. Das TCDC ist eine ‚State-of-the-Art’ Einrichtung und verfügt über verschiedene Bereiche. Es gibt die Galerien 1 und 2, die diversen Ausstellungen vorbehalten und auch allgemein zugänglich sind. Ansonsten ist das Design Center nur für Mitglieder geöffnet. Dort befindet sich u.a. eine äußerst umfangreiche Bibliothek zu den Themen Kunstgeschichte, Architektur, Innenraumgestaltung, Mode, Textilien, Grafikdesign, Fotografie und Film, in Verbindung mit fachübergreifenden Themen wie Kultur, Wirtschaft und Politik.

  


Dieses Zentrum ist ein Paradies für Designer und Designinteressierte. Gibt es dort ca. 25.000 Bücher, verschiedenste Magazine,unzählige DVDs, Ecken zum Lesen, Arbeitstische und Multimediaeinrichtungen. Am hinteren Ende des Centers durften wir dann das ‚ConneXion’ betreten. In dieser speziell abgeteilten Zone befinden sich Daten über ungefähr 4.500 Materialien, zusammengetragen aus der ganzen Welt, wovon abwechselnd immer etwa 2.000 Materialmuster ausgestellt sind. Die Musterstücke sind in acht Kategorien unterteilt wie z.B. Kunststoffe, Glas, Keramik, Materialien auf Kohlenstoff- oder Zementbasis, Metall, Naturmaterialien und Verbundstoffe. Diese Materialproben dürfen auch angefasst werden, um sich als Gestalter mit der jeweiligen Materialeigenschaft und dem Designanspruch ein wenig vertrauter zu machen. Zusätzliche Daten geben einen Hinweis auf das Produkt und den technischen Hintergrund.

  


Khun Champoonuj vom ‚ConneXion’ gab uns eine kurze Einführung und erwähnte, dass dieses Zentrum eng vernetzt ist mit dem Hauptsitz in New York. Es gibt noch weitere Zweigstellen in Köln, Daegu und Mailand. Es machte richtig Spaß, die unterschiedlichsten Materialien im wahrsten Sinne des Wortes zu ‚begreifen’. Erstaunlich ist die Innovation in diesem Bereich. Wir konnten erfahren, dass zum Glück auch immer mehr Bewusstsein auf umweltgerechte Materialien gelegt wird. In Thailand wurde u.a. ein Verfahren entwickelt, das Glasflaschen zerkleinert, und das aus diesem Granulat Fliesen für Wand oder Boden gefertigt werden können. Sicher eine interessante Alternative für den Wohnbereich.


Im Anschluss daran durften wir die ‚Member Lounge’ betreten. Wie wir hören konnten ein Privileg, da zum Zeitpunkt unseres Besuches keine VIP Mitglieder dort waren. Ein großer Raum, lichtdurchflutet, mit Gartenambiente, untergliedert in kleinere Sitzgruppen und flankiert mit gut bestückten Buchvitrinen, hilfreichem Personal zur Seite und natürlich Getränke-Angebot. Nachdem wir das Design Center inspiziert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Galerie 2, sicher einem Highlight unseres Besuches.


Bereits im ersten Raum standen wir einem starken Symbol für Endlichkeit gegenüber. Durch die Gestaltung des Umfeldes mit Spiegeln und Lichtreflexen empfanden alle anfangs eine seltsame Konfusion. Die gezielte Vermittlung dieser Surrealität konnte man deutlich spüren. Die Stimmung in diesem Raum war multidimensional – waren wir doch auf einmal mit dem Tod und auch der Unendlichkeit konfrontiert. Im darauf folgenden Bereich konnten wir dann auf absolut bizarre Weise das Zusammenspiel von Leben und Verfall sehen und sogar genauer beobachten. Eine geniale Idee, Vergänglichkeit auf diese Weise darzustellen. Überfluss und zeitbedingte Verrottung wurde uns sehr klar vergegenwärtigt. Die unzähligen Maden hatten dabei wohl am meisten Spaß – ein Paradies, das für sie leider ziemlich jäh mit Schließung der Ausstellung am 22. Februar enden wird.


 

Der Gang durch die Ausstellung gab uns darüber hinaus interessante Einblicke in Bräuche aus früheren Zeiten. Anhand geschichtlicher Fakten bewegten wir uns allmählich in das 21. Jahrhundert, wo Schönheitsoperationen und Botox keine Fremdbegriffe mehr sind. Ganz im Bann der Dekoration folgten wir gespannt Khun Gungs Erläuterungen zu den jeweiligen Ausstellungsschwerpunkten. Zeitlichkeit, Tod, Angst, Jahreszeiten, Umwelt und Erhaltung waren einige der Stichpunkte, die das Gerüst für diese Ausstellung bildeten. Als leise Ermahnung für unseren Lebensweg verstand sich die Botschaft des ‚Last Drop’ am Ende der Ausstellung, die frei interpretiert werden kann: ‚Ein jeder entscheidet immer für sich, wie er die Dinge sehen mag!’. Sicher etwas nachdenklich konnten wir noch einen vielleicht neuen Trend bestaunen, einen Diamanten, der einmal ein Mensch war. Eine Familie aus Japan stellte dieses doch sehr persönliche Stück für die Ausstellung zur Verfügung.

     


Noch etwas in Gedanken versunken verließen wir die Räumlichkeiten dieser gewagten und äußerst kreativen Ausstellungspräsentation. Wir hatten alle unsere Einsichten, Erkenntnisse und natürlich auch Spaß. Kun Aim und Khun Gung brachten uns diese ‚Erfahrung’ ziemlich humorvoll herüber. Die Zeit verging so schnell mit all den informativen Erläuterungen. Bevor wir uns von den Mitarbeitern des TCDC verabschiedeten, bekam jeder von uns noch eine Einladung, auch ohne gleich Mitglied zu werden, einmal ganz entspannt ein paar Stunden im Design Center zu verbringen. Nach unserem obligatorischen Gruppenfoto kreisten unsere Gedanken dann zusehends um die leiblichen Bedürfnisse. Wir fühlten uns selten lebendiger – der Hunger machte sich bemerkbar.


Khun Aim, Khun Gung und Khun Chompoonuj vom TDCD möchten wir ganz herzlichen Dank sagen, für ihre Zeit und Mühe, uns das Design Center und dessen Möglichkeiten etwas näher zu bringen. Wohlverdient machten wir uns dann auf den Weg, um gleich im gegenüberliegenden Restaurant Bharani einen gemütlichen Lunch zu genießen.


Wer noch mehr über diese Institution des TCDC erfahren möchte, kann sich gerne unter www.tcdc.or.th informieren.


 

10.02.2009 / RR

 

 

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