DREHSCHEIBE

 

Gender Impact of Violence in Southern Thailand

 

    

Eine interessierte Gruppe von 10 Damen traf sich diesen Dienstag in der CoffeeSociety neben der BTS Sala Deng, um dem Vortrag von Khun Pamornrat Tansanguanwong (Pam) zu folgen. Pam ist Social Development Consultant  (Beraterin fuer Entwicklungsfragen) bei der World Bank hier in Bangkok. Sie arbeitet fuer diese Institution seit dem Jahr 1998, aber seit 2004 nur noch als externe Mitarbeiterin. Pams hauptsaechliches Aufgabengebiet umfasst den Bereich ‚Einfluss der Gewalttaetigkeiten im Sueden Thailands auf die Rolle der Geschlechter’. Ihre Erkenntnisse zu diesem Thema zeigen vor allem die sozialen Auswirkungen auf, die in direkter Beziehung zu den Ausschreitungen stehen.

 

Der Begriff ‚Weltbank’ sollte nicht mit dem Begriff ‚Weltbankgruppe’ verwechselt werden. Die in Washington D.C. (USA) angesiedelte Weltbankgruppe hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Sie umfasst die folgenden 5 Organisationen, die jeweils eine eigene Rechtspersoenlichkeit besitzen, sich aber im Eigentum der Mitgliedstaaten befinden:

  • Internationale Bank fuer Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development – IBRD; auch: World Bank)
  • Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association – IDA)
  • Internationale Finanz-Corporation (International Finance Corporation – IFC)
  • Multiliterale Investitions-Garantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency – MIGA)
  • Internationales Zentrum fuer die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International Centre for Settlement of Investment Disputes – ICSID)


Die Organisationen der Weltbankgruppe sind durch verwaltungsmäßige Verflechtungen und einen gemeinsamen Präsidenten verbunden. Der Begriff ‚Weltbank’ umfasst nur die beiden ersten der 5 oben angeführten Organisationen. Die gemeinsame Kernaufgabe dieser Institutionen ist, die wirtschaftliche Entwicklung von weniger entwickelten Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, durch Beratung und technische Hilfe zu fördern, und so zur Umsetzung der internationalen Entwicklungsziele beizutragen (vor allem den Anteil der Armen an der Weltbevoelkerung bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduzieren zu helfen).

 

Es ist die Vision der Weltbankgruppe zu einer allumfassenden und stabilen Globalisierung beizutragen, Armut ueberwinden zu helfen, Wachstum unter Beruecksichtigung der Umwelt zu ermoeglichen und individuelle Moeglichkeiten der Entfaltung sowie allgemeine Hoffnung zu schaffen. Diese Aussage stammt von Robert B. Zoellick, dem Praesidenten der Weltbankgruppe.

 

Die Weltbank ist eine lebensnotwendige Quelle, wenn es um finanzielle und technische Unterstuetzung fuer die Entwicklungslaender der Welt geht. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Bank im herkoemmlichen Sinne. Die Weltbank besteht hauptsaechlich aus den beiden o.g. Organisationen IBRD, die auf Laender mit mittlerem Einkommen und auf arme Laender im Sinne der Kreditwuerdigkeit ausgerichtet ist sowie der IDA, deren Fokus auf den aermsten Laendern der Welt liegt. An diesen Organisationen sind 185 Mitgliedsstaaten beteiligt. Gemeinsam bieten sie Entwicklungslaendern zinsguenstige Darlehen, zinslose Kredite und Zuschuesse fuer eine Vielzahl von Projekten in den Bereichen wie Bildung, Gesundheit, oeffentliche Verwaltung, Infrastruktur, Finanzen, Privatwirtschaft und Landwirtschaft sowie bei Umweltfragen und im Umgang mit Bodenschaetzen.

Am 3. Mai 1949 hieß die Weltbank ihr 43. Mitglied, das Koenigreich von Siam willkommen, das nur eine Woche spaeter offiziell als Thailand gefuehrt wurde. Im Oktober 1950 wurde der erste Kredit an Thailand bewilligt. Das Darlehen von US $ 25 Mio sollte der Regierung die Fertigstellung von 3 Infrastrukturprojekten ermoeglichen: Den Wiederaufbau des Eisenbahnnetzes, den Ausbau des Hafens von Bangkok und die Bewaesserungskapazitaet des Chao Phraya Flusses. Alle Zuschuesse und Kredite waren bis heute auf Projekte gerichtet, welche die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes foerderten.

Pam zeigte uns anhand ihrer Powerpointpraesentation die ihren Projetkbereich umfassenden Regionen im Sueden des Landes: Yala, Narathiwat und Pattani. Dies sind die Provinzen, die an Malaysia grenzen. Der groesste Anteil der Einwohner ist muslimischer Abstammung. Viele der dort Lebenden sprechen sogar eine eigene Sprache, Yawi. Ein Hauptgrund fuer die staendigen Unruhen ist eine Identitaetsfrage, innerhalb des eigenen Landes sich nicht anerkannt zu fuehlen. Ungerechtigkeit ist ein Schlagwort in diesem Konflikt, bei dem sich ca. 63% der Bevoelkerung oeffentlich als Opfer bezeichnen. US $ 2,6 Mio Finanzmittel sollen helfen, Vertrauen unter der oertlichen Gemeinschaft und der Regierung wieder aufzubauen, bzw. die buddhistische und muslimische Bevoelkerung einander wieder naeher zu bringen. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt.

Von den 5000-6000 Faellen, die bisher zu Gericht gebracht wurden, wurden in etwa nur 150 verfolgt. ‚Was geschieht mit den Familien?’ - diese unbeantwortet gebliebene Frage untermauert nur die Tatsache des Nichtvertrauens ‚No Trust’, das allgemein empfunden wird. Ein Grossaufgebot an Militaer und dieselben immer wiederkehrenden Reporter konnten bislang durch ihren Einsatz keine Veraenderung bewirken. Unter der Bevoelkerung gibt es extrem viele hochgradig traumatisierte Menschen. Die tiefe Verwurzelung des Konflikts bereits ueber Generationen hinweg gestaltet sich als sehr schwierig fuer eine Loesung. Nur eine kontinuierliche Unterstuetzung von Initiativen wie der Weltbank, z.B. durch Besuche vor Ort, koennen auf behutsame Weise langfristig den Aufbau von Vertrauen garantieren.

Wie wir erfahren konnten ist es sehr wichtig, die Oeffentlichkeit aufzuklaeren, u.a. mit Hilfe von alternativen Medien. Frauen sind generell schneller faehig, durch ihren persoenlichen Einsatz Hilfe zu finden. Die Frage, wie Maenner mit einem massiven Trauma umgehen, ist ebenso ein Teil der Untersuchungen. Besuche durch Mitarbeiter der Weltbank im Sueden Thailands finden regelmaessig, zum Teil jede Woche statt. Ein intensiver Kontakt zu den Betroffenen ist von großer Bedeutung, um eine Annaeherung zu schaffen. Wir konnten auch hoeren, dass sowohl die Friedrich-Ebert-Stiftung als auch die Friedrich-Naumann-Stiftung sich um die Belange in den suedlichen Regionen annehmen.

Zahlen und Schautafeln halfen uns zusaetzlich, die Erlaeuterungen von Pam noch besser nachvollziehen zu koennen. Am Ende des Vortrages gab es von unserer Seite dann einige recht detaillierte Fragen, die sehr kompetent beantwortet wurden. Das Thema hat uns natuerlich nachdenklich gemacht. Einerseits ist das Problem so weit weg und auf der anderen Seite doch so nah – denn von Mensch zu Mensch gesehen, sind wir eigentlich alle irgendwie betroffen.

Wir moechten uns bei Pam ganz herzlich fuer den hervorragenden Einblick in die Taetigkeit der Weltbank im suedlichen Thailand bedanken. Ihr Tiefgang und ihr Engagement haben sicher zu unserem Verstaendnis beigetragen. Sehr zu schaetzen war nicht zuletzt ihre spontane Zusage, fuer uns diesen Vortrag zu halten. Aufgrund ihrer Taetigkeit ist sie doch recht eingespannt und viel auf Reisen. Auch John Hancock von der CoffeeSociety ein dickes Dankeschoen fuer die bereits fast selbstverstaendliche Ueberlassung der oberen Etage. Wie immer wurden wir bestens betreut.

  

 

www.wikipedia.org/wiki/Weltbank  

www.worldbank.org

 

17.03.2009 / RR

 

 

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