German Speaking Women's Group of Thailand

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Kinder im Niemandsland

 

Anfang September 2007 hatte ich die ungewöhnliche Chance, zwei von insgesamt neun Flüchtlingslagern der Karen an der burmesischen Grenze zu besuchen. Die Karen als ethnische Minderheit sind wohl ein Begriff, von den Lagern erfuhr ich dann einige Monate zuvor durch Dr. Ulli Roethig, Project Manager bei den Malteser International. Während eines zufälligen Treffens ins Gespräch gekommen, war ich völlig von den Erzählungen des Arztes gefesselt und beeindruckt, so dass schnell der Entschluss reifte, persönlich in die Camps zu fahren.

Es bedurfte einer längeren Vorlaufzeit auf Grund von Urlaubszeiten und Anmeldeformalitäten (es muss vorab eine Kopie des Reisepasses eingereicht werden), bis es am 03.09.2007 dann soweit war.

Mit jeder Menge Süßigkeiten, Kuscheltieren und Malutensilien im Gepäck flog ich zuerst nach Chiang Mai, wo Dr. Ulli mich bereits erwartete. Es folgte eine 3,5-stündige Fahrt nach Mae Sariang zum Office der MI und eine erste Übernachtung in einem Guesthouse vor Ort. Inzwischen war es dunkel geworden und eine Weiterfahrt zu den Camps war nicht mehr möglich.

Während der gut 3 Stunden Fahrt am nächsten Morgen verstand ich auch warum: die Wagen waren beladen mit Kartons, die Medikamente und andere wichtige Alltagsdinge für die Krankenstationen enthielten und mussten sich bergauf bergab durch den Dschungel und den tiefen, roten Morast kämpfen. Nicht selten waren wir zum Anhalten gezwungen, um ein Hindernis aus dem Weg zu räumen oder sogar Ketten auf die Räder zu ziehen, weil der Truck die Steigung durch den Matsch nicht bewältigen konnte. Alleine dieser Transport war schon ein Erlebnis für sich und ich machte mir bewusst,
dass die Mitarbeiter der MI diese Tortur mindestens 2 Mal wöchentlich auf sich nehmen.

Mitten im Urwald passierten wir eine Kontrollstation mit Schlagbaum und erreichten das erste Camp Mae Ra Ma Luang – eine völlig andere Welt: eng aneinander stehende schlichte Bambushütten, schmale, meist unbefestigte Wege, Menschen
in farbenfroher Karen-Kleidung mit schweren Körben auf dem Rücken, Kinder in ausgewaschenen T-Shirts und Hosen laufen barfuß über den vom Regen aufgeweichten Boden. Das ist die Zuflucht für 15.000 Menschen. In mehreren Sektionen wird die Versorgung des 10 km langen Dorfes zu beiden Seiten des Flusses gewährleistet. Verschiedene Hilfsorganisationen decken unterschiedliche Gebiete ab. Die MI sind für die Wasserversorgung und die ärztliche Hilfe zuständig. Die Hospitäler und Krankenstationen bestehen aus schlichten Bambuskonstruktionen mit abgetrennten Bereichen für Lager, Apotheke, Medikamentenausgabe, Behandlungszimmer und stationärer Aufnahme.

Statistiken an den Wänden zeigen den Vergleich der letzten zwei Jahre. Die Arbeit des Teams trägt Früchte, denn die Zahlen der auftretenden Krankheiten sind rückläufig. Daneben Plakate als Lehrmaterial, für die verschiedenen Sprachen
und Bildungsstände mit bunten Bildern anschaulich gestaltet, die den Bewohnern als Anleitung dienen sollen.
Im stationären Bereich liegen Patienten auf erhöhten Liegeflächen ohne Trennwände, lediglich auf dünnen Unterlagen, Babys schaukeln in Hängematten.

Ich werde neugierig beobachtet, fremde Besucher verirren sich selten hierher.

Mit geringen Mitteln, unter harten Bedingungen wird hier von den Ärzten und Schwestern unglaubliches geleistet. Viele Menschen können vor Ort behandelt und kuriert werden, aber immer wieder gibt es schlimmere Fälle, die in ein Krankenhaus gebracht werden müssten. Die Kosten für solche externen weiteren Behandlungen sind nicht im Budget der MI abgedeckt und oft kommt es vor, dass Entscheidungen in Abhängigkeit von den Kosten getroffen werden müssen.

Die Nacht verbringe ich mit den Mitarbeitern der MI im „Teamhaus“, einem nicht minder spärlichen, etwas größeren Bambushaus, noch weiter Bergauf. Auf dem Weg dorthin müssen wir sogar einen Fluss durchqueren. Deshalb können Fahrten also nur bei Tageslicht unternommen werden… Im Teamhaus, genauso wie in den Camps, gibt es keine Elektrizität, Wasser ist ein kostbares Gut und das Handy hat schon längst keine Funkverbindung mehr.

Am nächsten Morgen heißt unser Ziel Mae La Oon, wo sich ebenfalls Bambusbehausungen für 15.000 Flüchtlinge an den Hängen aneinander reihen. Die Geburtsvorbereitung ist genau so wie die Geburtenstation gut besucht. Der Kreißsaal ist spärlich bestückt. Eine Frau hält mir ein Paket aus Tüchern entgegen – ihr Baby ist am Tag zuvor hier geboren worden.
Ein Leben von Tausenden, das im Camp beginnt.

Seit 20 Jahren gibt es die Lager, seit 20 Jahren suchen die Menschen hier Zuflucht und Hilfe. Und seit 20 Jahren werden
die Camps als temporäre Übergangslösung angesehen. Die Menschen dürfen das Areal nicht verlassen, dürfen nicht arbeiten gehen. Welche Schicksale stecken hinter diesen Bambuswänden, wie viel Hoffnung auf Rückkehr ist den Karen geblieben? Hoffnungen, die nach den Ereignissen der vergangenen Tage nicht erfüllt werden.

Viele Eindrücke habe ich von diesem Besuch mitnehmen können, meine Achtung vor der Arbeit der Hilfskräfte ist noch
mehr gestiegen, jetzt da ich mir ein Bild von den Bedingungen habe machen können.

Es war mir eine große Freude von der Drehscheibe einen Spendenbetrag über THB 10.000,- überreichen zu können. Im Namen von Dr. Ulli und Dr. Maria einen herzlichen Dank und viele Grüße an alle Drehscheibe-Damen.
Bitte nehmt Euch einen Moment Zeit für das Schreiben von Dr. Maria mit weiteren Hintergrundinformationen und einer Übersicht, wofür Spendengelder dringend gebraucht werden. Es geht in erster Linie um die Behandlungen von Kleinkindern bis zu 5 Jahren.

 

Mehr Infos erhaltet ihr auch unter:

http://www.malteser-international.org/home/wo-wir-helfen/asien/thailand/gesundheit-ernaehrung/medizinische-hilfe-fuer-fluechtlinge-aus-myanmar.html

 

http://www.drehscheibe-bangkok.com/index%20seite/fotos%20malteser/Neues%20Bild%20%2815%29.png

Ich würde mich freuen, wenn auf diesem Wege noch Spenden gefunden

werden können. Gerne leite ich dieses für Euch weiter oder stelle den persönlichen Kontakt her.

 

Oktober 2007 / Michaela Ehrmann

 


 

                

 

 

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